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03.06.2012
(Vortrag/Diskussion)
von Benjamin Vogt Sonntag, 13. Dezember 2009
Dieser Comic behandelt ein zuweilen vernachlässigtes, weil auch
schwieriges Thema: Sexualität im Alter. Der französische Künstler Pascal Rabaté
nähert sich diesem zentralen Punkt seiner Handlung auf sehr unverkrampfte
Weise, in dem er in seiner Figur das Feuer neu entzünden lässt.
Witwer Émile lebt allein und verbringt seine Zeit bevorzugt mit seinem besten Freund Edmond beim Angeln. Kurz bevor dieser plötzlich stirbt, weiht er Émile noch in sein bislang geheimes Privatleben ein: Edmond lernt schon seit einigen Jahren über Agenturen weibliche Bekanntschaften kennten, mit denen er auch hin und wieder Sex hat, außerdem zeichnet er Aktbilder nackter Damen. Die selbstverständliche Freude am anderen Geschlecht, die sich sein bester Freund auch im Alter behalten hat, lässt jetzt auch Émile grübeln. Er begibt sich in seinem winzigen roten Wagen auf Entdeckungstour, um seinem eigenen Lebensabend möglichweise eine erfrischend neue Richtung zu geben..
Die Hauptfigur in diesem Band ist ein schüchterner, sympathischer Mann. Erst
als er tatsächlich auf die Idee kommt, sich mit einer Frau zu verabreden,
wird in Émile ein Funke entfacht, der sein Leben ändert. Er denkt plötzlich an
Verliebtsein und Sex; aus Unsicherheit bereist er mit Schlaftabletten im Gepäck
den Ort seiner Kindheit. Die Begegnung mit der dort ansässigen Kommune dreht
Émiles Weltbild erneut, denn dort erfährt er Toleranz, freie Liebe und eine
alternative Lebensweise.
Pascal Rabatés Bäche und Flüsse beschreibt einen Prozess hin zum Ausleben von Wünschen älteren Personen, denen im Comicform somit ein Bewusstsein zugestanden wird. Im Mittelpunkt befindet sich nicht etwa die Suche nach einem neuen Partner, sondern die Nichtunterdrückung der vorhanden sexuellen Bedürfnisse. Rabaté skizziert das perfekt, denn seine Bettszenen mit dem ergrauten Émile sind nicht einmal im Ansatz anstößig oder unnatürlich, sondern lassen sich als äußerst selbstverständlich betrachten. Vielmehr freut man sich für den Protagonisten, erscheint sein Sex doch nur folgerichtig nach der emotional aufwühlenden Wiederentdeckung der Lebensenergie und der weiblichen Reize.
Mit einem flüchtigen Zeichenstil und einer optischen Konzeption, die an
die Arbeiten des ebenfalls bei Reprodukt ansässigen Manu Larcenet erinnert,
schafft es Pascal Rabaté, eine offene Erzählung auch nach außen hin atmosphärisch
brillieren zu lassen.
Bäche und Flüsse ist ein ruhiger, unaufgeregter Comic, der einen als Leser definitiv berühren wird. Insofern kann man sich für die Zukunft nur weitere Werke des Künstlers in deutscher Übersetzung wünschen.
Erste Eindrücke und Informationen zu der in der Produktion befindlichen Filmumsetzung des Comics gibt es im Reprodukt-Blog.
Bäche und Flüsse
Reprodukt, November 2009
Autor/Zeichner: Pascal Rabaté
96 Seiten, farbig, 18 Euro
ISBN 978-3-941099-21-0
Abbildungen: © Reprodukt















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