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(Vortrag/Diskussion)
von Benjamin Vogt Sonntag, 25. März 2007
Die zwei Kumpel Karim, Franzose nordafrikanischer Abstammung, und
Alexandre, ein französischer Bürger mit italienischem Hintergrund, sind
eigentlich ein recht ungleiches Paar. Während Karim, der gutaussehende
Schürzenjäger, Frauen für Geld beglückt, ist Alexandre der schüchterne
Typ, der Karim bewundert und ihm bei dessen nächtlicher Tätigkeit
heimlich nachschleicht. An einem Abend geraten die beiden Freunde
jedoch in eine unangenehme Situation: Karim vergnügt sich gerade im
Bett mit der Frau des Führers der Front National, einer
rechtsgerichteten Partei, als der betrogene Dr. Faurissier sich
unerwartet früh auf den Weg nach Hause macht. Panik bricht daraufhin
nicht nur bei Faurissier und seinen Gefolgsleuten aus, sondern auch
beim beobachtenden Alexandre. Dieser kann Karim gerade noch rechtzeitig
warnen, aber fortan befinden sie sich auf der Flucht vor der Rache
Faurissiers.
Der Roadtrip führt die beiden über die „Autoroute du Soleil", die im Süden Frankreichs zwischen Lyon und Marseille verläuft. Während sie im weiteren Verlauf immer wieder nur knapp dem zunehmend wahnsinnig werdenden Faurissier entschwinden, geben die Begegnungen mit Drogendealern, einem Alt-Hippie und einem dekadenten Fabrikbesitzer tiefe Einblicke in die französische Gesellschaft.
Autoroute du Soleil ist, obwohl von einem französischen Künstler stammend, sichtbar auch an die Erzählkunst der Mangas angelehnt. Daraus ergibt sich eine Dynamik, die perfekt zur hektischen Aufbruchstimmung und der Flucht quer durchs Land passt. Die Geschichte scheint immer wieder im Begriff zu sein, sich fortzubewegen und langweilt nicht zuletzt dadurch trotz der Länge des Bandes an keiner Stelle. Baru lässt sich Zeit, wodurch die Charaktere eine Wandlung vollziehen können. Karim wird boden- und anständiger, Alexandre ändert seine Haarfarbe und wird damit offener und mutiger und auch Faurissier entwickelt sich: von einem Politiker der Vorstadt zum skrupellosen Mörder.
Mit über 400 Seiten liefert dieser Comicroman eine Spannung, die beim Lesen spürbar ist. Barus deutliche Fingerzeige auf gesellschaftliche Missstände und Eigenarten Frankreichs sind offenkundig und vielfach. So lässt das Abbild, dass Autoroute du Soleil in dieser Hinsicht erkennen lässt, ein negatives Gefühl verspüren: Frauen werden betrogen oder betrügen selbst, Menschen werden rechtsextrem angefeindet, in den Städten schlagen Polizisten Aufstände nieder und der Handel mit Drogen floriert.
Ein weiteres auffälliges Element stellt die Verwendung verschiedener Automarken dar, sowie die Verwendung der Fahrzeuge. Nicht nur thematisiert dies die Liebe der Franzosen zu Automobilen, sondern wird auch von Baru benutzt, um ein Bindeglied zur Handlung herzustellen. Zuallererst ist das Auto natürlich Mittel zur Flucht, später stellt die Frage nach dem Diebstahl eines solchen die Moral in der Notlage auf den Prüfstand. Oder über die nostalgische Erinnerung zweier Menschen und die Reparatur eines Wagens entsteht eine Freundschaft. Diese Doppeldeutigkeit in der Verwendung der Mittel zieht sich durch den ganzen Comic. Nicht nur deshalb ist mit diesem Werk etwas Bemerkenswertes gelungen.
Dass Baru sich von Mangas hat inspirieren lassen, merkt man nicht nur anhand der Seitenzahl, sondern auch daran, dass die Erzählung in schwarz-weiß gestaltet ist. Auch die Aufteilung der Panels und die sequenzielle Reduzierung ist eher typisch für einen kleinformatigen Manga als für ein klassisches französisches Album. Dass der Künstler dabei keine Kopie, also einen westlichen Manga, erschaffen wollte, sondern seinen eigen Mixstil verfolgte, ist aber klar zu erkennen. Die Personen in Autoroute du Soleil wirken sehr häufig verzerrt, wie im Aufbruch, fast auch schon überzeichnet. Dieses bewusst eingesetzte Mittel steht im Kontrast zu zwischenzeitlich fast realistisch anmutenden Bildern, die Umgebungen präzise und ernsthaft wiedergeben wollen.
Insgesamt ist diese Graphic Novel einfach wunderbar gelungen und läst sich mehr als unterhaltsam lesen.
Autoroute du Soleil
Carlsen Comics, März 2007
Text & Zeichnungen : Baru
430 Seiten, Softcover, Kleinband, 19,90 Euro
ISBN: 3551737894















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Wer Martin Luther King begegnen möchte, muss zu einer
Zeitreise antreten. Nur wer in das historische Ringen um Veränderungen in die
Süd- und Nordstaaten der USA eintaucht, kann ermessen, welche Rolle MLK darin
gefunden hat. Die Graphic Novel Martin Luther King von Ho Che Anderson
ermöglicht seinen Lesern diese Zeitreise in die 60er-Jahre - als Afroamerikaner
noch festgenommen wurden, wenn sie es wagten, sich im Bus vorne hinzusetzen ...
Als ich zum ersten Mal die Ankündigung vernahm, dass bei Carlsen Comics ein Comicband mit dem Titel Bob Dylan – Revisited erscheinen wird, ging ich intuitiv davon aus, dass es sich dabei um eine gezeichnete Biografie des Künstlers handeln würde. Aber weit gefehlt, das im mittlerweile bewährten, verkleinerten „Graphic Novel“-Format des Verlages (aber in diesem Fall ausnahmsweise nicht als eine solche deklariert) vorgelegte Buch verzichtet wohltuenderweise komplett darauf, das Leben Bob Dylans nachzuzeichnen oder auch nur dessen Stellenwert für die Folk- und Rockmusik zu beleuchten.
- 24.10.2010
Einer der langlebigsten und erfolgreichsten frankobelgischen Comics ist ohne Zweifel Spirou und Fantasio, deren erste Episoden im Jahr 1938 erschienen. Neben der "offiziellen" Serie veröffentlicht der Verlag Dupuis seit einigen Jahren Sonderbände in der Reihe Le Spirou de ... Hier können, abseits des Serienkanons, "besondere" Geschichten erzählt werden, die thematisch vom Spirou-Standard abweichen oder die individuelle Handschrift eines Autors bzw. Zeichners besonders betonen. Das Paradebeispiel für diesen Sonderweg ist sicher Émile Bravos "Porträt des Helden als junger Tor".
Berlin im Jahre 2323 ist die Partystadt schlechthin. Die Einwohner und Besucher feiern im einen durch, aus dem Fernsehturm wurde ein Puff, und der Regierende Bürgermeister kam durch einen Putsch an die Macht.
2007 erschien im Berliner Tagesspiegel erstmals eine Episode mit dem Titel Da war mal was ... Zeichner Flix gab darin eine persönliche Erinnerung an die Zeit zum Besten, in der es noch ein geteiltes Deutschland gab. Daraus wurde eine Serie, deren einzelne Folgen bis heute regelmäßig im Tagesspiegel erscheinen. In einer Buchausgabe vom Carlsen-Verlag kann man nun den Großteil davon auch gesammelt lesen.
- 06.10.2009