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von Benjamin Vogt Montag, 27. Juli 2009

 Cyril Pedrosa ist Comiczeichner (bekannt geworden durch Ring Circus und Drei Schatten) und er ist bekennender Öko. Beide Fragmente seiner Persönlichkeit bringt er in dem Album Auto-Bio zusammen. Pedrosa schildert sein Leben als Freund der Umwelt und wie er dieses an strengen ökologischen Werten auszurichten versucht. In meist nur eine Seite des Albums einnehmenden Episoden umreißt Pedrosa Alltagsprobleme, auf die er als Öko gestoßen ist.

Neben dem obligatorischen Unverständnis und den Vorurteilen, denen er sich ausgesetzt sieht, werden in diesem Zusammenhang vorzugsweise die optimalen, aus ökologischer Sicht vertretbaren Verhaltensweisen in Frage gestellt, so in etwa: Ist die Reparatur eines alten Hollandfahrrads die Mühe wert, wenn es der Umwelt dient? Ist eine Flohkur tatsächlich ohne Chemie zu bewältigen? Kann ein Pony den Rasen ökologischer mähen als ein herkömmlicher Rasenmäher? Gelingt eine Tokio-Hotel-Frisur ohne den Gebrauch von nicht recycelbaren Haarspraydosen? Resultiert aus der alternativen Verwendung von Waschnüssen ein zufriedenstellendes Ergebnis? Und verzichtet man auch dann auf importierte Himbeeren, wenn man bei deren Kauf nur ein Drittel gegenüber der regionalen Ware zahlt?

Diesen Fragen und vielen mehr wird in Auto-Bio nachgegangen. Stets aus der Sicht des Autors erzählt, dokumentieren die kleinen Episoden den beständigen Kampf zwischen Ökoleben und den Anforderungen des Alltags. Pedrosa selbst skizziert sich als missmutigen, aufbrausendernFamilienvater, der wahlweise über das mangelnde Umweltbewusstsein seiner Mitmenschen oder an seiner eigenen Unzulänglichkeit, was die konsequente Ausführung seines Lebenstils angeht, zu verzweifeln scheint. Als zorniger Verfechter der Umwelt beschreibt er witzige Begebenheiten, in denen seine ideale, gesellschaftliche Vorstellung mit der Realität kollidiert. Überdies muss er immer wieder Begegnungen mit dem neuen Vermieter bestehen, dessen gutgemeinte Insektizidübergriffe es abzuwehren gilt.

 Auto-Bio ist ein autobiografisches Comicalbum, dass sich unbestreitbar einer seltenen Thematik widmet. Der klar abgesteckte Inhalt hätte letztlich auch mit fiktiven Figuren funktioniert, besitzen doch die Geschichten eine eindeutige Struktur und sind – ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben – sichtlich auf den humorigen Aspekt ausgelegt. Einzelne Überschriften und ein zumeist pointierendes Schlussbild grenzen die Einzelfolgen voneinander ab. Die Stärke von Pedrosas Werk liegt in der situativen Komik, die sich z.B. durch den beständigen Missmut der Hauptfigur auszeichnet. Mehr als einmal sieht man als Leser die innere Wut auch bildlich hervorbrechen, Pedrosa setzt das zeichnerisch durch rot unterlegte Gedankenbilder um. Überhaupt wirkt sein Zeichenstil sehr lebendig und veranschaulichend. Die Szenen entspringen dem echten Leben und genau so erscheint die Adaption auf dem Papier. Zusätzlich versetzt Pedrosa seine Bilder mit verschiedenfarbigen Unterlegungen, durch die er gewisse Elemente akzentuiert und durch die er die Aufmerksamkeit des Lesers geschickt zu lenken weiß.

Insgesamt ist Auto-Bio ein schön illustrierter, humoriger Comicband, der das Umweltthema auf unverkrampfte Weise angeht. Leider krankt der Comic für meine Begriffe ein wenig an dem Konzept der One-Pager, denn aus dem ergibt sich, dass ständig neue Jokes eingebaut werden müssen. Das ergibt schließlich auch die Erscheinung eines Cartoonbandes, der eigentlich mehr sein könnte. Eine durchgehende autobiografische Handlung hätte dieses Album sicher noch interessanter gemacht.

 

Auto-Bio
Reprodukt, Juni 2009
Text/Zeichnungen: Cyril Pedrosa
48 Seiten, farbig,  Softcover, 12 Euro
ISBN 978-3-941099-22-7

Öko-Spaß in Comicform

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Abbildungen: © Reprodukt

 



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