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von Thomas Kögel Mittwoch, 25. November 2009
Im gereimten Prolog verknüpft der Autor die Geschehnisse in Prototyp (die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies und die Strafe für die Schlange) mit der neuen Geschichte und führt den Leser schließlich zu Noah. Dieser ist im Buch Genesis ein gerechter, strenggläubiger Mann, ganz im Gegensatz zu den sündigen Bewohnern von Sodom und Gomorrah. Der strenge Gott des Alten Testaments will seine Schöpfung kurz nach dem Start schon wieder ausradieren, verschont wird nur Noahs Familie und die Tierwelt, denn Noah darf von jeder Art ein Pärchen mitnehmen.
Gott ist alles andere als begeistert von diesem Vorschlag, geht aber darauf ein – nicht ohne Noah eine dicke Lektion für dessen moralische Anmaßungen und seine geistige Borniertheit zu erteilen. Noah (von König dargestellt als miesepetriger alter Zausel mit Zottelbart) staunt nicht schlecht, als er seine Arche nun auch noch mit allerhand Tieren vollpacken soll. Der Verlauf der Sintflut wird für Noah schließlich zum Lehrstück in Sachen Toleranz.
Auch wenn die Moral am Ende etwas dick aufgetragen wird: Was Ralf König mit Archetyp gelungen ist, ist ganz große Comickunst. Dieser Comic ist weder eine plumpe Parodie noch eine provokante Verhöhnung der Bibel – nein, der Atheist König nimmt den biblischen Text durchaus ernst und betrachtet ihn mit den Augen eines aufgeklärten, modernen Menschen des 21. Jahrhunderts. Sein Noah ist deutlich als Karikatur des konservativen, intoleranten Spießers zu erkennen, wie es ihn – quer durch alle Religionen – immer gab und bis heute gibt. Dabei schafft Archetyp den Spagat, ernsthafte Denkanstöße zu geben, gleichzeitig aber auch umwerfend komisch zu sein.
Nicht nur, dass Ralf König seit Jahren zu den besten und wichtigsten deutschen Comicerzählern gehört. Er wird auch noch immer besser.
Archetyp
Rowohlt Verlag, September 2009
Text und Zeichnungen: Ralf König
Hardcover; 140 Seiten; farbig; 16,90 Euro
ISBN: 978-3-498-03549-5

Abbildungen: © Ralf König / Rowohlt Verlag
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