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von Thomas Kögel Donnerstag, 18. Dezember 2008

 Jamie S. Rich war fünf Jahre lang Chefredakteur beim kleinen aber sehr feinen Independent-Comicverlag, Oni Press und hatte zuvor auch als Redakteur bei Dark Horse und anderen US-Verlagen gearbeitet. Gelegentlich tritt er auch als Autor in Erscheinung. Der erste seiner Comics, der auf deutsch erscheint, ist 12 Gründe, dich zu lieben. Wie der Titel schon andeutet, handelt es sich um eine romantische Liebesgeschichte. Wer aber eine kitschige Schnulze erwartet, liegt weit daneben ...

Erzählt wird von der Beziehung zweier junger Großstädter, Gwen und Evan. In zwölf Kapiteln erfahren wir vom Auf und Ab ihrer Liebe: Das erste Date, die Schwierigkeiten und Unsicherheiten beim Kennenlernen, der erste Jahrestag, Eifersucht, Missverständnisse, und die Tatsache, dass jeder Teil eines Liebespaares auch eine Vorgeschichte hat. Der Comic kommt dabei ohne erklärende Texte eines Erzählers aus und verlässt sich auf Bilder und Dialoge. Die reichen aus, damit sich der Leser mit der Zeit ein Bild davon verschaffen kann, wie Evan und Gwen ticken. Einige der Kapitel fallen formal etwas aus dem Rahmen: Zeichnerin Joelle Jones variiert dann ihren Stil, sie verlässt die herkömmliche Seitenarchitektur und anstelle von Zwiegesprächen gibt es Monologe - mal von Gwen, mal von Evan.

 Der erzählerische Kniff an der Geschichte: Die Kapitel sind nicht chronologisch angeordnet, sondern springen scheinbar zufällig in der Zeit hin und her. Dadurch ist man als Leser gezwungen, selbständig Lücken zu füllen und das Geschehen für sich in eine Reihenfolge zu bringen. Das gibt dem Comic eine zusätzliche Ebene und erhöht den Lesespaß. Auch dass auch der Blickwinkel, aus dem erzählt wird, immer wieder wechselt, trägt dazu bei. Und irgendwie fühlt sich das an wie im echten Leben, wenn man das Liebesleben befreundeter Paare verfolgt: Denn auch dort bekommt man nicht lückenlos alles mit, erfährt manche Details aus der einen und manche aus der anderen Perspektive, manche sofort, andere erst viel später.

Die Zeichnungen von Joelle Jones arbeiten mit harten Schwarz-Weiß-Kontrasten und wirken sehr schwungvoll und dynamisch. Im Grunde passen sie perfekt zur Story: Nicht zu süßlich, sehr eigenständig, aber trotzdem leicht zugänglich.

 Wie schon erwähnt, ist das keine kitschige Lovestory, an deren Ende die Verliebten schmachtend in den Sonnenuntergang schreiten und sich gegenseitig für Märchenprinz und -prinzessin halten. 12 Gründe, dich zu lieben steht mit beiden Beinen im echten Leben und ist dabei auf eine sehr angenehme Art romantisch. Liebe ist hier nichts, was wie eine Sternschnuppe vom Himmel fällt, sondern ein Gefühl, an dem man gemeinsam täglich arbeiten muss. Was am Ende aus Gwen und Evan wird, bleibt offen und ist der Phantasie des Lesers überlassen.

Die deutsche Ausgabe erscheint beim Eidalon-Label Modern Tales, wo man den Comics seit Kurzem eine noch  hochwertigere Verpackung spendiert. Kompaktes Format, Hardcover-Einband und drumherum ein Schutzumschlag - das gefällt. Als Bonus gibt's noch ein Interview mit Autor und Zeichnerin.


12 Gründe, dich zu lieben
Modern Tales/Eidalon, Juli 2008
Text: Jamie S. Rich
Zeichnungen: Joëlle Jones
Hardcover; schwarz-weiß; 160 Seiten;
16,00 Euro
ISBN: 978-3-939585-11-4

 

Angenehm geerdete Lovestory

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Bildquelle: presse.eidalon.de



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