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Interview mit Marc Seestaedt (COMICINVASIONBERLIN)

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marc seestaedtMarc Seestaedt ist Fotokünstler und Musiker, veröffentlicht die Lifestrips, und organisiert zusammen mit Wandrille Leroy die COMICINVASIONBERLIN (CIB). Andreas Völlinger hat ihn am Tag nach dem Festival im April 2013 online interviewt.

 

Comicgate: Hallo Marc! Hast du dich schon von der Invasion erholt?

Marc Seestaedt: Bin noch dabei. Es gab noch viel Bier und Shots an der Bar am Ende, was zusammen mit der Erschöpfung vom Wochenende meinen Montag seeeehr ruhig gemacht hat. Ich realisiere irgendwie immer noch stückweise, dass so viele Leute da waren und es keine Katastrophen gab. 🙂

Das Urban Spree war ja wirklich durchgehend gut gefüllt. Hast du eine Schätzung parat, wie viele Leute die CIB 2013 besucht haben?

Ojee. Ich bin unglaublich schlecht mit Zahlen, deswegen bin ich in die Kunst und in die Arbeit mit Menschen gegangen. 🙂 Wir hatten bestimmt fünf Stunden am Stück einen stetigen Strom von neuen Leuten in der Halle, viele kamen von der Straße und haben gesehen, dass im Urban Spree was läuft und es nett aussieht. Die Halle war eigentlich ständig voll.

CIB 2013: Volles HausWie war das Feedback der Verlage, Händler und Künstler, die einen Tisch gemietet hatten?

Ich habe viel, viel Gutes gehört. Die Leute mochten die Location, gute Lage, schöner Außenbereich. Ich habe gern alles in einer Halle, damit sich das Publikum nicht zu sehr verteilt. Da gab’s aber auch vereinzelt Klagen wie „Der Synthiepop-Typ, der da gespielt hat, hat die Leute zwar zum Tanzen gebracht, aber wir konnten wegen der Lautstärke keine Kundengespräche führen“. Ich mag es, wenn es lebendig ist, aber es gibt auch Leute, denen eine ruhigere Buchladenatmosphäre lieber ist.

Womit warst du selbst besonders zufrieden und was hat nicht so gut funktioniert?

Positiv: Ich war überwältigt von dem Strom an Leuten, die ich gar nicht kannte oder zuordnen konnte. Voll toll. Woher kommen diese Leute? Hab ich die hierher gekriegt? Der Kindertisch war eine Freude und wurde gut angenommen, das war schön. Negativ: Ich wünsche mir immer einen gemeinsamen Abschluss mit Tamtaram und dann tröpfelt es doch immer irgendwie auseinander am Ende, da Leute zu unterschiedlichen Zeiten weg müssen mit ihren Büchern. Ich denk mal darüber nach für nächstes Jahr.

Spontan-Vernissage auf der CIBDas Festival ist ja eine Art DIY-Event, bei dem sich jeder einbringen kann. Neben mehreren Ausstellungen hattet ihr dieses Jahr den Illumat, mehrere Musiker, ein „Trash Puzzle“, das gemeinschaftliche „Aktion Drawing“, ein Comicquiz und vieles mehr am Start … Hattest du ein persönliches Highlight?

„DIY Festival“ mag ich. 🙂 Ich sehe es als eine Plattform und bin für alles offen, besonders Events, die Comics in Aktion bringen. Meine Highlights waren Dinge zwischendurch wie der schon erwähnte Kinderbasteltisch, an dem Kinder Roboter basteln konnten und der toll angenommen wurde. Der Sketch Workshop von Annette Köhn von Jaja Verlag war auch eine Freude zum Zugucken, auch weil es eine schöne Mischung aus Jung und Alt war, die da mitgemacht hat. Wenn so was passiert bin ich sehr happy. „Bring sie zusammen, bring sie zusammen!“, sag ich. Ha ha!

Wie groß war denn euer Orga-Team?

Wir haben mehrere Treffen gemacht zum Ideensammeln, der Rest lief über eine Facebook-Gruppe und E-Mail. Es gibt einen Pool von ca. 20 Leuten, die mithelfen, und ich koordiniere, was wann wo passieren muss.

Die CIB ist ja eine nicht-kommerzielle Veranstaltung. Habt ihr denn die Ausgaben wieder rein bekommen?

Ja. Wir haben einen guten Deal mit dem Team von Urban Spree. Die haben vorher auch das HBC gemacht, wo das Festival letztes Jahr war und das hat denen so gut gefallen, dass sie gesagt haben: „Macht das bei uns!“

Ihr habt eine Tumblr- und eine Facebook-Seite für die CIB eingerichtet. Habt ihr das Festival noch auf andere Weise beworben?

Wir durften beim Berliner Fenster [Infomonitore in den U-Bahnen] einen Spot senden, mit denen hab‘ ich noch ’ne Verbindung über meine Fotocomic-Serie LIFESTRIPs, die dort jahrelang lief „ und bald wieder läuft, zum Festival kam ein neues Buch raus. Es gab auch Poster und Flyer, aber mein Eindruck ist, dass die meisten Leute über Facebook von der Veranstaltung wussten. Da pflanzt sich so was in Berlin am stärksten fort.

Land unter auf der CIB 2013Mit Arthur de Pins, der seinen Animationsfilm La Révolution des Crabes vorführte, an einem Podiumsinterview teilnahm und signierte, war so eine Art internationaler Gaststar dabei. Wie kam der Kontakt zu ihm zustande?

Über Wandrille Leroy vom Warum Verlag und die Französische Botschaft in Berlin, die haben ihn eingeladen. Wandrille denkt sich mit mir zusammen Sachen fürs Festival aus und er hatte auch den Kontakt zur Botschaft.

Die CIB fand dieses Jahr bereits zum dritten Mal statt. Wie kam es 2011 eigentlich zur ersten Invasion, die noch unter dem Namen Comics über Berlin lief?

Ich lernte Wandrille Leroy beim Montags-Comicstammtisch in der Comicbibliothek Renate kennen, im Februar 2011 oder so. Er erzählte, dass er ein kleines Festival organisieren will, dass er aber grad mit seinem Verlag etwas zu viel zu tun hat. Ich weiß gar nicht mehr, was mir den Impuls gab, aber ich sagte „Find ich gut, ich helf gern.“

Ich hab dann erlebt, dass man für so ein Event eigentlich nur eine Plattform schaffen muss und die Leute kommen. Wir haben die Info rausgeschickt und Künstler eingeladen, und fast alle sagten „Super, so was fehlt schon lange, ich mach mit!“ Der Rest ist Koordination und PR.

Du hast oben ja schon vom „nächsten Jahr“ gesprochen. Die CIB 2014 kommt also?

Auf jeden!!!

Soll das Festival in Sachen Räumlichkeiten und Teilnehmer noch weiter wachsen oder war das schon die perfekte Größe für euch?

Bitte nicht mehr. Eher noch die Raumsituation etwas entspannen. Vielleicht bei noch besserem Wetter Buchtische nach draußen stellen.

Der Außenbereich der CIB 2013Was oder wovon mehr wünscht du dir für das nächste Mal?

Ich überlege, wie man die Halle mit den Büchertischen noch ruhiger gestalten kann, so dass man gerne in Ruhe vor einem Tisch stehen bleibt. Mit dem Publikumsandrang am Sonntag schob man sich, glaube ich, teilweise mehr durch die Halle, als diese Ruhe zu haben. Vielleicht kann man mit visuellen Abtrennungen arbeiten oder bei noch wärmerem Wetter eben einige Tische nach draußen stellen. Und: Sofas ausleihen zum gemütlich Sitzen und Blättern!

Ein paar Besucher haben sich beschwert, dass das Urban Spree trotz supergünstiger Lage ganz schön versteckt liegt und schwer zu finden war. Habt ihr da Abhilfe-Ideen für nächstes Jahr?

Ja. Eine Karte auf der Event-Seite und einen GoogleMap-Link. Und mehr Schilder, I guess.  Wir haben es ausgeschildert so gut es geht, aber anscheinend net genug. 🙁

Das liegt zum Teil an der unübersichtlichen Anordnung des RAW-Geländes, wo viele Locations nah beieinander liegen.

Dieses Jahr war mit Zwerchfell ja auch ein Verlag von außerhalb Berlins [die Verleger kommen aus Stuttgart bzw. Frankfurt] vertreten. Wollt ihr in Zukunft noch mehr Leute aus dem Rest der Republik anlocken oder soll die CIB eine Veranstaltung für lokale Künstler und Verlage bleiben?

Die auf der CIB vertretenen Comickünstler von Zwerchfell [Naomi Fearn, Aike Arndt, Tim Gaedke, Christian Nauck, Michael Vogt, Tim Dinter] sind alle in Berlin ansässig, insofern ist der Lokalcharakter da. Ich denke, es gibt genug Talent in Berlin; die anderen können gern zu Besuch kommen und sich unseren Kram anschauen. 🙂

CIB 2013Und habt ihr schon darüber nachgedacht, die Invasion zeitlich weiter auszudehnen? Ich habe am Sonntag schon Leute darüber sinnieren gehört, wie wohl eine zweitägige CIB wäre.

Hmmm … Ich dachte bislang „Mach einen guten knackigen Tag, der Leute umhaut, anstatt mehrere Tage, wo sich das Publikum verteilt“. So denke ich weiterhin. Kurz und schmerzvoll, wie man so sagt. Man kann eher überlegen, ob es ein ausgedehnteres Abendprogramm gibt nächstes Mal, mit Party und so, und das ganze an einem Samstag. Hmm …

Was war dieses Jahr noch besser als letztes?

Letzes Jahr meldete sich nach dem Festival meine Bandscheibe, weil ich bis zum Tischeschleppen an allem beteiligt war. Dieses Jahr gab es da mehr Struktur und mehr Helfer, also: Wir sind auf einem guten Weg!! 🙂

 

Hier gibt es einen Bericht und mehr Fotos von der CIB 2013.

 

Fotos: © Tom Eickelau, Andreas Völlinger