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(Messe/Festival)
von Björn Wederhake Mittwoch, 18. Mai 2005
Please click here for the English version.
Larry
Young veröffentlichte Ende der 90er Jahre seinen ersten eigenen Comic,
"Astronauts in Trouble", im eigens dafür gegründeten Verlag
AiT/PlanetLar. Sechs Jahre später ist der Verlag eine feste Größe im
Independent-Bereich der US-Comicbranche. Die meisten seiner Comics
erscheinen direkt als Graphic Novel und nicht im Heftformat. Larry
Young ist nicht nur Autor und Gründer des Verlags, sondern auch
Redakteur und vor allem Marketingchef, der für die Promotion seiner
Comics auch ungewöhnliche Wege zu nutzen weiß.
Comicgate: Larry, von deinen "Loose Cannon"-Kolumnen
bis hin zu deinem "Planet of the Capes"-Comic (über den wir später noch
reden) bist du immer jemand gewesen, der offen seine Meinung zum
amerikanischen Comicmarkt von sich gegeben hat. Also, wie sieht du den
momentanen Zustand der Industrie und wo in ihr siehst du AiT/PlanetLar
stehen?
Larry Young: Ich bin mir nicht mal
sicher, dass wir sowas Besonderes sind. Wir sind ein Verlag, genau wie
Marvel oder DC oder wer auch immer. Die 12,95$, die du brauchst um "The
Invisibles: Bloody Hell in America" von deinem lokalen Comichändler zu
kaufen, sind die gleichen 12,95$, die du brauchst um dir eine Ausgabe
von "Last of the Independents" zuzulegen. Insofern sehe ich uns einfach
nur als einen Comicverlag, genau so wie Marvel und DC. Zum "Zustand der
Industrie": den Comics geht es gut, die "Industrie" und die "Kunstform"
kann man nicht trennen, weil Comics kommerzielle Kunst sind. Es gibt
zuviele Verlage, die denken, dass der Job erledigt ist, sobald ein
Comic gedruckt und vertrieben worden ist. Aber das ist nur die halbe
Arbeit. Das Spiel ist nicht vorbei, wenn du dich angezogen hast und
aufs Feld gehst. Du musst das Spiel immer noch spielen und du musst
dabei auch Punkte machen. Und nachdem du einen Comic produziert hast,
musst du da rausgehen und sicherstellen, dass die Leute auch davon
wissen. Schreiben, zeichnen, drucken, verkaufen. Einschäumen, abspülen
und wieder von vorn, weißt du? Nichtmal die Shampoo-Firmen sagen dir,
wann du aufhören solltest und genauso solltest du auch nicht einfach
aufhören, wenn du im Comicgeschäft bist.
CG: In
den letzten Jahren hat AiT sehr stark auf die "Original Graphic Novel"
gesetzt und Comics direkt als Paperback herausgebracht. Mit "Demo" seit
ihr zum monatlichen Heftformat zurückgekehrt und habt keine
Paperbacksammlung der Einzelhefte veröffentlicht. Was hat euch dazu
bewegt und würdest du das Experiment als Erfolg bezeichnen?
LY:
Brian Woods Vision für den Comic war, dass er in diesem Format
erscheinen sollte und ich habe seiner Vision vertraut. Das war es, was
er gebraucht hat, also hat er es auch bekommen. Es war ein voller
Erfolg. Nicht nur ein künstlerischer Triumph, mit Becky Cloonans
meisterhafter Arbeit in allen zwölf Ausgaben, sondern ebenso ein
kommerzieller Erfolg, der meinen Punkt der "kommerziellen Kunst" von
oben untermauert. Brian hat gut geschrieben, Becky hat gut gezeichnet
und ich habe gut promotet und wenn alle drei Teile der Maschine so
perfekt arbeiten, dann haben wir einen Volltreffer.
CG:
Buchhandel gegen Direktmarkt. Wie wichtig werden diese beiden
Absatzmärkte jeweils für die Zukunft von AiT sein und wie schlagen sich
eure Titel im Direktmarkt, wenn man die "Franchiseflut" bedenkt, die da
momentan herrscht (z.B., dass circa 20 "Batman"- oder "X-Men"-Titel
erscheinen, die Platz in den Regalen einnehmen, der für kleinere
Verlage wichtig sein könnte)?
LY:
Bezüglich unserer Einnahmequellen denken wir nicht in solchen
"entweder, oder"-Kategorien. Sowohl der Direktmarkt, als auch der
Buchhandel sind geschätzte Handelspartner. Genauso wie die die
verschiedenen Onlinehändler, die wir beliefern. Unsere Firma ist sechs
Jahre alt und hat 70 Titel veröffentlicht, die alle lieferbar sind.
Insofern hat das, was im Direktmarkt mit "Batman" und den "X-Men"
passiert, wenig mit uns zu tun. Wenn ein Händler sein ganzes Geld durch
Comics aus den Top 100 macht, dann wird er keine Comics von irgendwem
außer DC, Marvel, Image und Dark Horse bestellen. Aber wenn ein Händler
sein Geld mit einer breiten Auswahl an Comics macht, dann fangen
"Astronauts in Trouble", "Channel Zero", "Electric Girl" und "Come in
Alone" sicher an, sich ihren Platz in den Regalen zu verdienen.
CG:
Dennoch ist für Comics ein Platz im Verkaufsregal wichtiger als für
normale Bücher. Als visuelles Medium seit ihr doch auch darauf
angewiesen, dass Kunden Impulskäufe tätigen. Weil ihnen das Cover
gefallen hat oder weil sie das Artwork mochten, als sie den Comic
schnell durchgeblättert haben. Solche Dinge sind nicht möglich, wenn
man bei einem Onlinehändler bestellt. Also habt dir da nicht
irgendwelche Sonderaktionen, damit Leser bei ihrem lokalen Comichändler
nach AiT-Titel fragen oder um bei Händlern ein Interesse an euren
Produkten zu schaffen?
LY: Aber wir sehen unsere Paperbacks nunmal so: Sie sind
"normale Bücher" und so vermarkten wir sie auch. In den Staaten stellen
die meisten auf Comics spezialisierten Händler, die Paperbacks auf
Lager haben und ein gutes Geschäft mit ihnen machen, diese mit dem
Buchrücken nach außen ins Regal. Das heißt, die meisten ihrer Kunden
sehen nur die Buchbindung statt dem Titelbild. Und weil wir seit sechs
Jahren ein funktionierender Betrieb sind und Mimi Rosenheim und ich
eine so gute Beziehung zu unseren Handelspartnern haben, steht der
Markenname "AiT/PlanetLar" für hohe Qualität auf dem Markt. Wir sind
nicht auf Formatgimmicks wie "Sammelcover" oder Verkaufsaktionen mit
ungewöhnlich hohen Rabatten angewiesen, um Aufmerksamkeit zu erhalten.
Wir machen einfach weiterhin qualitativ hochwertige Comics, ich
vermarkte und promote sie und die Händler, die Interesse daran haben,
Geld zu verdienen, wissen dass unsere Schiene weiterläuft, weil die
Titel immer wieder nachgedruckt werden und darum erhältlich sind.
Klar,
dein normales "Spider-Man"-Trade verkauft sich im ersten Moment besser
als "Electric Girl", aber das liegt daran, dass Marvel seine Titel
nicht im Druck hält. Händler müssen ihre Bestellungen
im Voraus abgeben. Das "Spidey"-Trade verkauft sich auf Anhieb 6.000
Mal, während "Electric Girl" vielleicht ein bisschen öfter 1.000 Mal
verkauft wird. Aber am Ende des Jahres hat man vom "Spider-Man"-Trade
nur 6.000 Stück verkauft, weil es nicht mehr gedruckt wird. Das
"Electric Girl"-Trade ist immer erhältlich und hat sich zu Jahresende
10.000 Mal verkauft. Steter Tropfen höhlt den Stein.
CG:
Seit ihr in irgendwelche Lizenzgeschäfte verwickelt, indem ihr die
Rechte für eure Comics an ausländische Verlage, Filmstudios oder
Videospielehersteller verkauft?
LY: Auf jeden
Fall. Aber wir können nicht wirklich über diese Geschäfte mit anderen
Medien sprechen, bis die Firmen, mit denen wir zusammenarbeiten, die
Projekte offiziell bekanntgeben. Wir halten uns da lieber ein bisschen
bedeckt, denn "steter Tropfen höhlt den Stein". Ich empfinde immer ein
bisschen Mitleid mit den Leuten, die ihre Deals voreilig bekanntgeben
und dann später zusehen müssen, wie das alles in sich zusammenfällt.
Ich werde beispielsweise nicht über den "Astronauts in Trouble"-Film
reden, ehe ich nicht im lokalen Kino in einer Schlange stehen und ein
Ticket kaufen kann.
CG: Wie wichtig sind diese
Deals mit anderen Medien für deine Firma? Marvel und DC machen
angeblich 80% ihrer Einnahmen durch Lizenzgeschäfte, ist sowas also für
AiTs Existenz von grundlegender Bedeutung, oder ist es eher ein netter
Bonus, der es erlaubt, ein bisschen herumzuexperimentieren und
"gewagtere" Comics auszuprobieren?
LY: Das ist einfach nur eine zusätzliche Einnahmequelle.
CG:
Während die großen Verlage versuchen, ihre Stammleser zu halten, sind
kleinere Verlage gezwungen, ständig um neue Leser zu kämpfen. ONI peilt
momentan "den neuen Mainstream" an und veröffentlicht viele von Manga
inspirierte, amerikanische Comics. Könnte so ein Ansatz auch für AiT
interessant sein, oder wie hofft ihr neue Leser zu gewinnen?
LY:
Naja, unser Geschäftsplan ist nicht von dem abhängig, was andere
Verlage machen. Außer dass wir da vielleicht eine Menge warnender
Geschichten sehen, die uns zeigen, welche Fehler wir nicht machen
sollten. Ich habe keinen Zugang zur, kein Wissen über oder auch nur
eine Zuneigung für die Manga-Ästethik. Es wäre insofern dumm von uns,
den Versuch zu unternehmen, sowas zu produzieren und zu vermarkten. Wir
machen einfach weiterhin das, was wir am besten können und das ist
"Making Comics Better".
CG: Trotzdem, versucht
ihr nicht, bestimmte Nischen zu besetzen oder überhaupt erst zu
schaffen, also eine gewisse Käufergruppe zu erzeugen, die ganz sicher
zu euch zurückkommt? Indem ihr beispielsweise Comics verlegt, die sehr
wahrscheinlich die Leser von bestimmten anderen AiT-Titeln ansprechen?
So im Sinne von: "Ihr mögt 'Channel Zero'? Dann werdet ihr diesen Titel
hier genau so mögen."
LY: Klar, das haben wir
zuerst gemacht, als wir nur "Astronauts in Trouble", "Nobody" und
"Channel Zero" hatten. Wir mussten schrittweise mit unseren Projekten
wachsen. Wir haben zuerst mit dem
Action-Adventure/Science-Fiction-Titel "Astronauts in Trouble"
ziemliches Aufsehen erregt. Dann haben wir "Nobody" verlegt, einen
Action-Adventure-Titel mit einem unheimlichen "Horror"-Element. Charlie
Adlard war als Künstler an beiden Titeln beteiligt, also hatten wir da
einen netten Übergang. Dann haben wir "Channel Zero" veröffentlicht,
eine anspruchsvolle Geschichte, in der Politik und politischer
Kommentar unter einem dünnen "Cyberpunk"-Mantel zu finden waren...
Aber
jetzt, mit 70 veröffentlichten Titeln, haben wir ein breites Spektrum
an Genres abgedeckt. Wenn du "Astronauts in Trouble" nicht magst, weil
das einfach nicht dein Ding ist, dann ist das cool. Vielleicht magst du
ja "Last of the Independents". Oder vielleicht ist das
Action-Adventure-Ding mit Medien und Raumfahrern oder Cowboys gegen
Mobster nicht so nach deinem Geschmack und du stehst eher auf
romantische Arbeiten. Dann könnten dir "Ursula" oder "True Story Swear
to God" eher in deine Richtung gehen. Superhelden? "Hench", "Foot
Soldiers" und "Planet of the Capes". Comedy? "Sky Ape", "The Annotated
Mantooth" und "Scurvy Dogs". Was für alle Altersschichten... und damit
meine ich alle Altersschichten... von 8 bis 80?
"Electric Girl" und "Jax Epoch". Einen Titel über den Enstehungsprozess
eines Comics? "Public Domain" oder das "Demo Scriptbook". Erwachsene
Themen? "Able", "Nobody" und "Codeflesh". Wir decken das alles ab. Wir
haben etwas für jeden Geschmack. Genau so wie HBO [ein amerikanischer
Pay-TV-Sender -- CG] die Alternative zu den großen Netzwerksendern ist,
sind wir die Alternative zu Marvel oder DC.
CG:
Mit "Proof of Concept" hast du das klassische "Showcase"-Format
wiederbelebt. Du hast verschiedene, mögliche Serien ausprobiert und
dann durfte die Leserschaft entscheiden, welche Serie ihr am besten
gefällt. Hat das im Hinblick auf die Verkaufszahlen und die
Leserbeteiligung so geklappt, wie du dir das gedacht hast und können
wir in Zukunft noch weitere Konzeptalben erwarten?
LY:
Wir werden immer neue Formate und Präsentationsmethoden ausprobieren,
genau so wie wir versuchen werden, alten Konzepten etwas Neues
abzugewinnen. Dinge, die neu und anders sind, ziehen mich ziemlich an.
"Proof of Concept" hat meine Erwartungen übertroffen und wir sind
momentan in der Vorbereitungsphase für ein monatliches
"Hemoglobin"-Heft [einer der in "Proof of Concept" vertretenen Titel --
CG.]. Die ganze Geschichte hat uns eine gewaltige, positive Reaktion
eingebracht. Also, auch wenn wir kein "Proof of Concept - Band 2"
machen werden, werden wir auch zukünftig neue Konzepte ausprobieren. So
wie wir das mit dem Paperslipcover und der Landschaftsorientierung bei
"Last of the Independents" gemacht haben oder als wir Warren Ellis
Photographie-und-Prosa-Buch "Available Light" oder das "Channel
Zero"-Designbuch "Public Domain" verlegt haben. Da zeichnen sich also
immer neue Dinge am Horizont ab.
CG: Die
Blogosphäre scheint nicht in der Lage zu sein, die Verkaufszahlen von
Comics der Großen Zwei positiv zu beinflussen. Sie hat Titel wie
"She-Hulk" oder "Human Target" unterstützt und trotzdem verkauften die
Serien sich nur schlecht oder wurden gleich ganz eingestellt. Trotzdem
beteiligst du dich aktiv in der Blogosphäre und hast sogar dein eigenes Weblog. Wo liegt hier das Potential für Independent-Verlage im Vergleich mit den Majors?
LY:
Nun, das ist einfach eine Frage des Maßstabs. Ich glaube, dass die
Leute die in ihren Blogs Comics rezensieren, definitiv die
Verkaufszahlen eines Comics positiv verändern können, aber es kommt
halt auf die Größenordnung an. Bei einem großen Verlag mag es
statistisch irrelevant sein, wenn man die Verkaufszahlen bei einem Buch
um eine bestimmte Menge erhöht. Aber wenn die Verkaufszahlen bei einem
Independentcomic um die gleiche Menge steigen, dann ist das äußerst
bedeutsam. Wenn Laura Gjovaag
beispielsweise ein positives Review zum neuesten "Batman"-Paperback
verfasst und die Verkaufszahlen um 800 Stück anwachsen, dann ist damit
kaum das Mittagessen von DC Verleger Paul Levitz für einen Tag
abgedeckt. Aber wenn sie eine positive Kritik über Nate Southards und
Shawn Richards Tradepaperback "Drive" verfasst und da die
Verkaufszahlen um 800 Stück anwachsen, dann haben Nate und Shawn auf
einmal ihre Druckereikosten bezahlt und alle weiteren Verkäufe sind
dann direkter Gewinn. Insofern haben Comicblogger keinerlei Einfluss
auf die großen Verlage, aber sie können einen ziemlich großen Einfluss
auf die Independentverlage habe. Das ist einer der Gründe, warum ich es
mag, mit Bloggern zu interagieren. Das und der Fakt, dass ich in meinem
Herzen wirklich ein riesig großer Comicfan bin.
CG:
Machen die großen Firmen einen Fehler, wenn sie die Blogosphäre
weitestgehend ignorieren? Oder würde eine aktivere Teilnahme eher die
Struktur der Blogosphäre zerstören und viel mehr weißes Rauschen
hervorrufen, wie man das auf den größeren Comicmessageboards schon
beobachten kann?
LY: Wie ich oben schon sagte, die großen Verlage sind relativ unbetroffen von einem lautstarken Publikum.
CG: "Planet of the Capes" wurde aktiv in der Blogosphäre beworben. Du hast Ken Lowery von "Ringwood" mehrere Interviews gegeben und kostenlose Kopien an einige Blogger geschickt. Die Reaktionen auf den Titel waren gemischt (Sean Collins liebte ihn, während John Jakala empfahl ihn nicht zu kaufen),
aber dennoch: Hat das starke Interesse, das die Blogosphäre gezeigt
hat, sich auch in den Verkaufszahlen bemerkbar gemacht und würdest du
nochmal einen Comic auf diese Weise promoten?
LY:
Ja, "Planet of the Capes" hat sich am Anfang gut verkauft und verkauft
sich jetzt immer noch in einer ordentlichen, gesunden Menge. Meine
Comics sind ziemlich polarisierend, weil ich eine eigentümliche
Sichtweise habe, was das Storytelling betrifft. Entweder du magst sie,
oder du magst sie nicht. Ich denke schon, dass die Rezensionsexemplare
geholfen haben, dem Werk mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, aber ich
kann nicht ohne weiteres sagen, dass es sich nicht genau so gut
verkauft hätte, wenn ich mich nicht an die Blogger gewandt hätte. Ich
kann aber sagen, dass ich auch weiterhin Rezensionsexemplare an Blogger
schicken werde, deren Texte mir gefallen und deren Meinungen ich
respektiere. Insofern sind Blogger für mich nur eine weitere
Möglichkeit, Rezensionen zu erhalten, wie beim
Direktmarkt/Buchhandel/Onlinehandel-Kommentar oben. Ich glaube dass
Blogs eine genau so legitime Quelle für Rezensionen sind wie "Wizard"
und "Entertainment Weekly", egal wie groß ihr Publikum sein mag.
CG:
Es gibt die alte Binsenweisheit, dass Superheldencomics mehr
Aufmerksamkeit erregen. Obwohl "Planet of the Capes" eine Satire auf
Superhelden und den Comicmarkt an sich ist, würdest du in dem Falle
zustimmen? Gab es außerhalb der Blogosphäre eine deutlichere Reaktion
auf "Capes" als auf andere AiT-Titel und war das, wie es Dorian Wright sah, ein "Einstiegscomic" der geholfen hat, dass Superheldenfans deinen Verlag bemerken?
LY: Für mich sieht es auf jeden Fall danach aus.
CG:
Trotzdem, selbst wenn es als "Einstiegscomic" funktioniert - was
sicherlich eine tolle Sache ist -, ist es nicht ein wenig entmutigend,
dass ihr soviele Genres verlegt, die kaum ein anderer Verlag abdeckt
(Western, Science Fiction, Piraten) und trotzdem dreht sich im Grunde
alles um die Superhelden?
LY: Naja, es dreht sich nicht
alles um die Superhelden, wie du bemerkt hast. Werke mit
Superheldenelementen, die wir veröffentlicht haben - "Hench", "Planet
of the Capes", selbst die ersten paar Ausgaben von "Demo" - bedienen
nur einen Teil unserer Leserschaft. Wir haben viel mehr Projekte für
jeden Geschmack und alle möglichen Leute lesen Comics. Sicherlich wird
der amerikanische Comicmarkt von Marvel und DC und ihren Superhelden
dominiert, aber die haben mir gegenüber ja auch einen Vorsprung von 55
Jahren. Komm 2054 wieder und sprich nochmal mit mir und ich bin mir
sicher, dass unsere breite Palette an Comics dann dominierend sein
wird.
CG: Du hast auch positive Rezensionen von
Bloggern als Werbung für deine Comics genutzt. Das passt zu dem
"Graßwurzel"-Gefühl von Blogs, die normalen Comicfans die Chance geben,
sich Gehör zu verschaffen. Bemerkst du trotzdem negative Reaktionen auf
diese Entwicklung von den altbewährten Kritikern? Und besteht, wenn man
deine aktive Beteiligung in der Blogosphäre bedenkt, nicht die Gefahr,
dass sich Blogger mit dir "verbrüdern" und sich darum zurückhalten und
ihre Kritiken abschwächen?
LY: Hey, ich bin nur
ein Typ, der Comics liebt. Ich liebe Comics so sehr, dass ich meine
eigenen machen muss. Ich habe auch Entwicklungsprozessbücher
geschrieben und veröffentlicht, um anderen zu helfen, ihre eigenen
Comics zu machen, also werde ich immer an Gesprächen über das Medium,
das ich liebe, teilnehmen. Wenn jemand seine Kritik einschränkt wegen
etwas, das ich geschrieben oder getan oder gesagt habe, dann ist das
doch wohl kaum meine Schuld, oder? Die Leute sind selber verantwortlich
für das, was sie tun.
CG: Zeit für etwas
Kommerz. Ich bin mir sicher, dass deine Antwort als Verleger ist: "Die
sind alle richtig gut", aber wenn du einen Comic von AiT/PlanetLar
nennen solltest, von dem du findest, dass ihn soviele Leute wie möglich
lesen sollten: Welcher Comic wäre das und warum?
LY:
Ich kann nicht bloß einen aussuchen. Das sind alles unsere Kinder und
wir lieben sie alle auf eine unterschiedliche Art und Weise.
CG: Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, unsere Fragen zu beantworten.
LY: War mir ein Vergnügen, Björn.
English
Comicgate: Larry, from your "Loose Cannon"
columns to your "Planet of the Capes" comic (which we'll talk about
later), you've always been quite outspoken about your opinions on the
American comic book market. So, how do you see the current state of the
industry and where do you see AiT/PlanetLar in it?
Larry
Young: I'm not sure we're as unique as all that. We're publishers, just
like Marvel and DC and whoever. The $12.95 it takes to buy "The
Invisibles: Bloody Hell in America" from your local comics retailer is
the same $12.95 it'll cost to buy yourself a copy of "Last of the
Independents", so I just see us as comic book publishers, just as
Marvel and DC. As to the "state of the industry," comics are fine; the
"industry" and the "art form" aren't separate, since comics are a
commercial art. Too many publishers think the job's over when the book
is printed and distributed, but that's only half the gig. The game
isn't over when you suit up and trot out onto the field; you gotta play
the game and keep score, too. And after you produce a comic book, you
gotta get out there and make sure people know about it. Write, draw,
print, sell. Lather, rinse, repeat, you know? Even the shampoo
companies don't tell you when you should stop, and you shouldn't stop
when you're doing comics, either.
CG: In recent
years, AiT was pushing the "original graphic novel", publishing comics
directly as paperbacks. With "Demo" you returned to a monthly pamphlet
schedule, not releasing a paperback collection of the title. What
motivated you to do so and do you regard this experiment as a success?
LY:
Brian Wood's vision for the book was that it take that format, and I
trusted his vision. That's what he needed, so that's what he got. It
absolutely was a success; not just as an artistic triumph, with Becky
Cloonan's virtuoso performance across all twelve issues, but also a
commercial success as well, speaking to my point about commercial art,
above. Brian wrote well, Becky drew well, and I promoted well, and with
all three parts of the machine working perfectly like that, that's a
home run.
CG: Bookstores versus Direct Market.
How important will either of these outlets be for the future of AiT and
how do your titles hold up in the Direct Market, considering the
"franchise glut" we have nowadays (i.e. around 20 "Batman" or "X-Men"
titles taking up shelve space that might be important to smaller
publishers)?
LY:
We don't think in either-or ways like that for our revenue streams.
Both the Direct Market and book trade are valued retail partners, just
as are the various online venues we supply. Our company is six years
old with 70 titles in-print and available, so whatever's happening in
the direct market with "Batman" and "X-Men" really has little to do
with us. If a retailer is making all his money on the Top 100 comics,
he won't be stocking anyone's books other than Marvel, DC, Image, and
Dark Horse. But if a retailer makes his money on a wide selection of
comics, all of a sudden "Astronauts in Trouble", "Channel Zero",
"Electric Girl", and "Come in Alone" certainly start to earn their
shelf space.
CG: Nevertheless, for comics
shelve space is more important than for regular books. As a visual
medium you also depend on customers making a purchase "out of an
impulse". Because they liked the cover or enjoyed the artwork while
flipping through a book. Things you can't do when you order via an
online retailer. So, aren't there any special initiaves to get readers
ask for AiT books at their local comic store or to make retailers
interested in your products?
LY: Here's how we see our trade paperbacks, though: they are
"regular books" and we market them that way. In the States, most comic
book specialty retail shops who stock trade paperbacks and do a good
business with them shelve them "spine-out." That is, most of their
shopping customers only see the binding of the trade paperback instead
of "face-out" which displays the cover. So since our company has been a
going concern for six years, and Mimi Rosenheim and I have such a good
relationship with our retailing partners, the AiT/Planet Lar company
brand means high-quality in the marketplace. We don't have to do format
gimmicks like collectible covers and deep discounting sales to get
attention; we just keep doing quality books and I market and promote
them and those retailers interested in making money know that our line
keeps turning as they're always in print and available.
Sure,
your average "Spider-Man" trade sells more out of the gate than
"Electric Girl", but that's because Marvel doesn't keep its stuff in
print. Retailers have to front-load their orders.
That "Spidey" trade will sell 6,000 initially, and maybe "Electric
Girl" will do a tick more than a 1,000. But at the end of the year,
that "Spidey" trade has still only sold 6,000, because it's out of
print. That "Electric Girl" trade is always available, and has sold
10,000 at the end of the year. Slow and steady wins the race.
CG:
Are you involved in any licensing deals, selling the rights to your
comics to foreign publishers, movie studios or video game manufacturers?
LY:
Absolutely. We can't really talk about any of these other-media deals
until the companies we've partnered with announce the projects, though.
We like flying under the radar, as "slow and steady wins the race." I
always have a bit of pity for people who announce deals prematurely to
later see them fall through. I'm not going to talk about the
"Astronauts in Trouble" movie until you can stand in line to buy a
ticket at your local theatre, for example.
CG:
How important are those other-media deals for your company? Marvel and
DC allegedly get 80% of their money from licensing deals, so is this
essential for AiT's existence as well or is it rather a nice extra that
allows you to experiment a little and try out more "daring" comics?
LY: It's just another revenue stream.
CG:
While the big companies try to hold their regular readers, smaller
publishers constantly have to fight for new ones. ONI now goes for "the
new mainstream" and publishes lots of manga-inspired American comic
books. Might such an approach be interesting to AiT as well, or how do
you hope to gain new readers?
LY: Well, our
business plan doesn't depend on what any other publishers do, other
than, say, as a bunch of cautionary tales to avoid what we see are
mistakes that they make. I don't have any facility, knowledge, or even
fondness for the manga aesthetic, so it'd be silly for us to try to
produce and market such a thing. We're just going to stick with what we
do best, and that's Making Comics Better.
CG:
Still, don't you try to fill or create certain niches, trying to create
a certain group of buyers that will surely come back? For example,
publishing comics that might very likely resonate with readers of other
AiT titles? The kind of: "You like 'Channel Zero'? Then you'll like
this title just as well!"
LY: Sure, at first,
when we only had "Astronauts in Trouble", "Nobody" and "Channel Zero".
We had to grow incrementally with our projects. We first made a big
splash with the action-adventure/sci fi of "Astronauts in Trouble".
Then we published "Nobody", an action-adventure book with a creep,
"horror" element to it. Charlie Adlard was the artist on both books, so
that was a nice transition. We then published "Channel Zero", which was
an ambitious story adding politics and commentary under a thin
cyberpunk guise...
But now, with 70 books, we've done
the broad spectrum of genres: if you don't like "Astronauts in
Trouble", that's not your thing, that's cool. You might like "Last of
the Independents". Or maybe that action-adventure thing of media and
spacemen or cowboys versus mobsters isn't your taste, and you like more
romantic works. Then "Ursula" or "True Story Swear To God" may be more
to your liking. Superheroes? "Hench" and "Foot Soldiers" and "Planet of
the Capes". Comedy? "Sky Ape" and "The Annotated Mantooth" and "Scurvy
Dogs". All ages... and by that I mean all ages...
from 8 to 80? "Electric Girl" and "Jax Epoch". Process books? "Public
Domain" and "The Demo Scriptbook". Mature themes? "Abel" and "Nobody"
and "Codeflesh". We've got it all covered. We've got something for
everyone. Just as HBO is the television alternative to the major
networks, so are we the comics alternative to Marvel and DC.
CG:
With "Proof of Concept" you resurrected the traditional
"Showcase"-format, trying out several different possible titles and
then let the readership decide which one it likes best. Did this work
out as planned in terms of sales, as well as reader response, and can
we expect more of such concept albums in the future?
LY:
We're always going to be trying new formats and presentations and new
spins on old ones. I'm very attracted to the new and different. "Proof
of Concept" exceeded my expectations, and we're in the early stages of
a "Hemoglobin" [one of the titles featured in "Proof of Concept" --
CG.] monthly book right now. That story got a hugely positive response.
So while we won't be doing "Proof of Concept - Volume Two", we
certainly will be trying new concepts in the future, as we did with the
paper slipcover and landscape orientation of "Last of the Independents"
or Warren Ellis' hardcover photography-and-prose book "Available
Light", or the "Channel Zero" design book "Public Domain". Always new
things on the horizon.
CG: The blogosphere
seems unable to positively effect the sales of comics published by the
Big Two. It embraced titles like "She-Hulk" or "Human Target" and still
they were selling poorly or simply cancelled. Nevertheless, you are
actively participating in the blogosphere, having your own weblog. What is its potential for independent publishers compared to the majors?
LY:
Well, it's a matter of ratios. I think that folks with comics review
blogs absolutely do positively impact sales of comics, but it's all a
matter of scale. Moving the needle up a certain quantity on a book from
a large publisher may be statistically insignificant, but if the sales
go up on an independent book that same amount, it is spectacularly
significant. If Laura Gjovaag,
say, writes a positive review of the latest "Batman" trade paperback
and sales go up 800 copies, that barely pays for DC publisher Paul
Levitz' lunch that day. If she writes a positive review of Nate
Southard and Shawn Richter's trade paperback "Drive", and sales go up
800 copies, all of a sudden Nate and Shawn have paid for their printing
bill and all other sales are direct profits. So comics bloggers have no
impact on the large publishers and can have quite a large impact on the
independent press. That's one of the reasons I like interacting with
bloggers; that, and the fact I really am quite a big comics fan, at
heart.
CG:Are the major companies making a
mistake by mostly ignoring the blogosphere or would an active
embracement rather destroy its structure, creating a much lower "signal
to noise"-ratio, as it can already be found on the bigger comic
messageboards?
LY: As I said above, the larger publishers are relatively unaffected by a vocal audience.
CG: "Planet of the Capes" was actively pushed via the blogosphere. You did several interviews on it with Ken Lowery from "Ringwood" and sent free copies to some bloggers. The reactions to the title were mixed (Sean Collins for example loved it, while John Jakala
recommended not to buy it), but still: did the strong interest which
the blogosphere showed in this title translate into actual sales and
would you once again push a comic this way?
LY:
Yes, "Planet of the Capes" sold well initially and continues to sell at
a nice healthy velocity now. Because I have a singular vision when
doing story-telling, my books are quite polarizing. You're either going
to like them or you're not. I think the review copies helped bring
attention to the work, but I can't directly say it wouldn't have sold
the same if I hadn't done that blogger outreach. I will say that I
continue to send review copies to bloggers whose writing I enjoy and
whose opinions I respect, so, like the direct market/book trade/online
merchants revenue stream comment above, bloggers are just another
review stream to me. Blogs are just as viable a review source as
"Wizard" and "Entertainment Weekly", I think, no matter the size of the
audience they command.
CG: There is the old
truism that comics featuring superheroes get more publicity. Even
though "Planet of the Capes" was a satire on superheroes and the comic
book market, would you agree in this case? Beyond the blogosphere, was
there a stronger reaction to "Capes" than to other titles for AiT and
was this "a gateway book", as Dorian Wright saw it, that helped to make superhero fans notice your company?
LY: It certainly looks that way to me.
Yet,
even if this works as a "gateway book" - which certainly is a good
thing -, isn't it somewhat disheartening that you publish so many
genres which next to no publisher covers (western, science fiction,
pirates) and still, it's basically all about superheroes?
LY: Well, it's not
all about superheroes, as you note. The superhero-esque works we've
produced - "Hench", "Planet of the Capes", even the first few issues of
"Demo" - are just part of an audience we serve. We have many more
projects for all sorts of tastes, and all sorts of people read comics.
Certainly the American comic book industry is dominated by Marvel and
DC and their superhero characters, but they've got a fifty-five year
head start on me. Come back and talk to me in 2054 and I'm sure our
broad line books will be dominating then.
CG:
You also use positive reviews by bloggers as blurbs for your comics.
This reflects the "grass roots" feeling of blogs, giving ordinary comic
fans a chance to make themselves heard. Still, did you ever notice any
negative backlash to this approach from traditional critics? And isn't
there the danger - given your active participation in the blogosphere -
that bloggers "fraternize" with you, restraining themselves and thus
limiting their criticism?
LY: Hey, I'm just a
guy who loves comics. I love comics so much, I have to make my own.
I've written and published process books to help others make their own,
as well, so I'm always going to be part of the conversation about the
medium I love. If someone limits their criticism of something because
of something I've written or done or said, that's hardly my fault, is
it? Folks are responsible for their own actions.
CG:
Time for some commercialism. I'm sure that your answer as a publisher
would be "They are all very good," but if you had to name one comic
from AiT/PlanetLar, which you think should be read by as many people as
possible: which one would it be and why?
LY: I can't choose just one. They are all our children, and we love them all differently.
CG: Thanks for taking your time in answering our questions.
LY: My pleasure, Björn.
AiT/PlanetLar
Homepage des Verlags
CESA #41
Sascha Thau über Larry Young und seinen Verlag
Astronauts in Trouble
Das erste Kapitel als PDF
No Trouble at all
Essay über Larry Youngs Comics bei Comic Book Galaxy
"Bei uns ist nichts ausverkauft"
Presserklärung und Diskussion bei Newsarama
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