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von Daniel Wüllner Donnerstag, 18. August 2011
Captain America – The first Avenger
USA 2011
Regie: Joe Johnston
Hauptdarsteller: Chris Evans (Steve Rogers / Captain America), Hugo Weaving (Johann Schmidt/The Red Skull), Stanley Tucci (Dr. Abraham Erskine), Tommy Lee Jones (Colonel Chester Phillips), Hayley Atwell (Peggy Carter)
Zum Captain America-Gewinnspiel geht es hier!
Neben seinen Superkollegen nimmt Captain America eine Sonderstellung ein: Er vertritt nicht nur sinnvolle Moralvorstellungen, sondern steht mit seinem guten Namen und seiner rot-blau-weißen Kostümierung auch für die Vereinigten Staaten von Amerika ein wie kein anderer Held (des Marvel-Universums). Etwas spitzer formuliert, Captain America ist Propaganda. Acht Monate vor dem Eintritt der Amerikaner in den Zweiten Weltkrieg, bezog Captain America – von seinen Fans liebevoll Cap genannt – bereits Stellung: Auf dem Cover seines ersten Comics verpasste er Hitler gleich mal einen Kinnhaken. Kann ein amerikanisches Aushängeschild einen unterhaltsamen Kinoabend bescheren?
Ja, kann es. Mit Captain America – The First Avenger gelingt es Regisseur Joe Johnston (Wolfman) jegliche Gedanken an Propaganda vorzusorgen, einen unterhaltsamen Actionfilm zu drehen und ihn mit glaubhaften Charakteren zu bestücken. Wie es funktionieren kann, hat uns bereits der erste Iron-Man-Film gezeigt, doch anstatt die Unterhaltung nur an Robert Downey Jr. alias Tony Stark aufzuhängen, verkauft Johnston den ersten Avengers-Film als in sich schlüssiges Gesamtpaket.
Obwohl Steve bereits zu Beginn seiner Ausbildung das Zeug zum Helden hat, durchleben wir mit ihm ein paar typische Trainingsszenen in der U.S. Army. Ziel dieser Übung ist nicht die Werbung für die amerikanische Armee oder Steves Formung zu einem Supersoldaten, sondern eine stilechte Einstimmung auf die 1940er Jahre. Natürlich dreht sich alles um den Zweiten Weltkrieg, doch es ist auch die Zeit, in der knochenharte Ausbilder wie Colonel Chester Phillips (Tommy Lee Jones) ihre zynischen Kommentare zwischen Zähnen und Zigarre herauspressen. Eine Zeit, in der sich die britische Agentin Peggy Carter in den schwachbrüstigen Steve verliebt. Der Film umschreibt die Vergangenheit ausgiebig. Die Ausbildung dient somit vielmehr dem Zuschauer, der lernen muss, sich in das Zeitalter einzufühlen.
Ebenso wie die Captain-America-Erfinder Joe Simon und Jack Kirby vor ihnen, machen die Drehbuchautoren Christopher Markus und Stephen McFeely (Die Chroniken von Narnia) keinen Hehl daraus, dass der Supersoldat auch immer ein Superplakat ist. Im Gegensatz zu pathetischen Filmen wie Pearl Harbor führt Johnston den Patriotismus in Captain America vor, indem er ihn einfach in die erste Reihe stellt. Da Rogers trotz neuer Muskelpakete nicht in den Krieg ziehen darf, macht er kurzerhand Werbung für Kriegsanleihen; er verkauft seinen Körper. Wunderschön trashig sieht die gesamte Bühnenshow aus. Erst bei seinen Auftritten an der Front wird Steve bewusst, was er verloren hat: seine Überzeugung gegen das Böse zu kämpfen. Also zieht er los, um Nazis zu verhauen und seinen Kumpel Bucky zu befreien. Natürlich ist Captain America auch nach dem Ende seiner Karriere im Showbusiness noch immer eine amerikanische Werbeikone. Doch hat der Film in der erst Hälfte geschafft, uns das unschuldige Gesicht von Steve Rogers in die Retina zu brennen. Wir sehen nicht mehr nur Cap, wir sehen Steve.
Für den Rest des Filmes sollte man die 3D-Brille noch einmal zurechtrücken und sich zurücklehnen. Es gilt in Europa die Fabriken von Hydra zu zerstören und den teuflischen Plan von Red Skull zu durchkreuzen. Nicht wirklich einfallsreich, aber dafür actiongeladen. Ebenso lange wie Steve ausgeharrt hat, der Armee beitreten zu dürfen, musste der Zuschauer warten, um Captain America bei seiner Arbeit zuzusehen. Das Warten hat sich gelohnt: Sein Schild fliegt durch die Gegend, Strahlenkanonen und Flammenwerfer werden abgefeuert und Panzer, die eben noch den Weg versperrten, werden kurzerhand gekapert. Ob sich Steve den Krieg so vorgestellt hat, bleibt fraglich. Zumindest stellt man sich so eine Comicverfilmung von Captain America vor.
Zusätzlich hält der Film für den eingefleischten Comicfan noch ein paar versteckte Anspielungen bereit, die jeder selber finden muss. Wenn Captain America der Gründervater des Marvel-Universums ist, dann legt die Verfilmung seiner Entstehung passenderweise den perfekten Grundstein für das kommende Marvel-Kinocrossover: The Avengers.
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Gelungene Comicverfilmung mit spaßiger Action und runden Figuren.

Offizielle Film-Website (englisch)
Offizielle Film-Website (deutsch)
Captain America bei Marvel Comics
Captain America in der Wikipedia
Abbildungen © Marvel Studios / Paramaount Pictures
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