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Die Welt am Draht, das sind Kommentare, Informationen, Gedanken und natürlich News rund um die Welt der Comics und darüber hinaus.

24.10.2008

Angoulême 09
(Ein kleiner Ausblick)

Nachdem die Frankfurter Buchmesse 2008 - und mit ihr die Faszination Comic - noch nicht ganz verdaut werden konnte, legen französische Comicbegeisterte nach.

Exakt 100 Tage vor dem Start des größten europäischen Comicfestivals, dem Festival International de la Bande Dessinée in Angouleme, präsentieren die Veranstalter ihre Sélection Officielle 2009, ihre Vorauswahl von Comics, die für den begehrten Preis des besten Comics 2009 nomminiert sind. Nachdem letztes Jahr Shaun Tans Ein neues Land ausgezeichnet wurden, haben sich auch dies Jahr wieder ein paar internationale Künstler in die ansonsten von franko-belgischen Titeln dominierte Liste eingeschlichen. Während Titel wie American Elf von James Kochalka, Gebbies und Moores Lost Girls oder auch Botttomless Bellybutton von Dash Shaw noch eher zum alternativen Spektrum des Festivals passen, wirkt Mark Millars Wanted wie ein Fremdkörper in dieser Versammlung von graphischer Literatur.

Um auf alle Titel der Sélection einzugehen ist leider an dieser Stelle zu wenig Platz, da sich die Veranstalter ähnlich wie bei der Longlist des deutschen Buchpreises auf die nahezu verschwindend geringe Menge von 56 Titel geeinigt hat. Hinzu kommen dann noch 20 Comics im Bereich der jungen Künstler und 8 Comics, die in der Kategorie Sélection Patrimoine konkurieren. Einziges Kriterium für die Auswahl: Alle Comics müssen zwischen Novemeber 2007 und November 2008 auf dem französischen Markt erschienen sein.

Was auffällt, ist die breite Palette an Verlagen, die vertreten sind; so drängeln sich Kleinverlage wie L'Association neben die französischen Schwergewichte Dargaud, Delcourt und Casterman. Ebenso sind Verlage vertreten, die ihr Geld nicht ausschließlich mit Comics verdienen.

Ansonsten lockt das Festival mit interessanten Ausstellungen wie zum Beispiel einer Werkschau von Dupuy & Berberian und hat mit Daniel Clowes, Chris Ware und Melinda Gebbie auch wieder interessante internationale Gäste eingeladen. Das Festival findet vom 29. Januar bis zum 1. Februar statt.

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posted by Daniel Wüllner um 11:11 | Permalink


20.10.2008

Lewis Trondheim in Freiburg
(Signiertermin im X für U)

Lewis Trondheim ist einer der bedeutendsten frankobelgischen Comickünstler der letzten Jahrzehnte. Mit Donjon und Lapinot schuf er zwei heitere und nachdenkliche Dauerbrenner, die direkt den Weg in die Herzen der Leser fanden. Seit Jahren war er schon nicht mehr in Deutschland unterwegs. Jetzt hat er es mal wieder geschafft, anlässlich seines neuen Bandes Insel Bourbon 1730 (zusammen mit Appollo, bei Reprodukt). Am 16. Oktober war er zum Signieren im Freiburger Comicladen X für U.

Es ist ein ungemütlicher Tag in Freiburg: Der Himmel ist wolkenverhangen, ständig regnet es, und die Trottoirs drohen unter klebrigem Laub zu verschwinden. Der Herbst zeigt sich heute von seiner schlechten Seite.

Trotzdem sind ein paar Menschen unterwegs. Sie stehen am Eingang vor dem X für U, und Uli Pröfrock fragt, ob sie nur so da seien oder wegen Lewis Trondheim gekommen sind. Wer wegen des Künstlers da ist, bekommt eine Nummer wie an der Käsetheke. Es soll kein Hauen und Stechen geben.

Trondheim sitzt da und zeichnet, geduldig, freundlich, fast schüchtern. Er trägt eine legere graue Jacke, darunter einen Fleecepulli und ist ein bisschen unrasiert. Im Hintergrund dudelt Jazz. Die Atmosphäre ist entspannt und locker, ganz anders als draußen, wo es gerade wieder zu regnen anfängt.

Das X für U ist voll, aber nicht so, dass es unangenehm ist. Es sind eindeutig mehr Männer als Frauen da. Die meisten Besucher dürften zwischen zwanzig und vierzig Jahre alt sein. Ein paar junge Familien mit Kinderwagen sind darunter, außerdem ein paar Kleinkinder.

Trondheim zeichnet in jedes Heft, das man ihm vorlegt: Herr Hase, Donjon, Das Land der drei Lächeln ? In Plastiktüten und Rucksäcken werden seine Comics gebracht. Neben ihm liegen Utensilien: ein paar Stifte, etwas Farbe und eine Federmappe. Dazu eine Brille mit gefleckten Bügeln. Vor ihm stapeln sich seine Alben, die vielen Sonderformate und sein neuestes Werk: Insel Bourbon 1730, eine Geschichte über Piraten auf der Insel Réunion. Der junge Mann, der jetzt an den Zeichentisch kommt, möchte gerne den Drachenkrieger Marvin auf die Innenseite eines Donjon-Albums gezeichnet haben.

Trondheim fängt an, der Stift zuckt über das Papier, wilde Striche, die sich schnell zu einem Ganzen verbinden. Als er mit der Zeichnung fertig ist, dreht er sich um und fragt Uli, ob er sich kurz sein Zippo ausborgen darf. Dann zündet er die Seite an einer Ecke an und löscht sie sofort wieder. Für einen Augenblick liegt der Geruch von verbranntem Papier in der Luft. Der junge Mann lacht, als er sein Donjon-Album zurückbekommt. Das Brandloch sitzt genau dort, wo Marvin Feuer gespuckt hat. Vielleicht hätte er doch lieber Herbert die Ente nehmen sollen...

Nach über einer Stunde macht Lewis Trondheim zum ersten Mal eine Pause. Fünfundzwanzig Fans haben ihre Zeichnungen bekommen, aber die Schlange ist noch lange nicht zu Ende. Trondheim war schon seit ein paar Jahren nicht mehr in Deutschland auf Signiertour. Morgen soll es sofort weitergehen nach Frankfurt, zur Buchmesse. Eine Podiumsdiskussion mit Andreas Platthaus steht auf dem Programm.

Aber noch ist er nicht weg und zeichnet geduldig mit leuchtenden Augen in ein Heft nach dem anderen. Das laute Messetreiben lässt noch auf sich warten. Von der gläsernen Fensterfront des X für U perlen die Regentropfen. Leichte Jazzmusik liegt in der Luft.

So schlecht ist dieser verregnete Herbsttag eigentlich gar nicht.

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posted by Christopher um 23:17 | Permalink


11.10.2008

Deutschsprachige Comicblogs
(jede Menge Lesestoff)

Für das Comic-Jahrbuch 2009, das vom ICOM herausgegeben wird und in wenigen Tagen zur Frankfurter Buchmesse erscheint, hat Klaus Schikowski einen Artikel über die immer weiter wachsende deutschsprachige Comic-Bloglandschaft verfasst: "Der Comic in den Zeiten von Web 2.0 - Ein Streifzug durch gezeichnete Tagebücher, Comic-Blogs und andere Online-Veröffentlichungen" (Randnotiz: Dafür hat er auch unseren Thomas interviewt. Generell: Das Jahrbuch bietet jedes Jahr eine Unmenge an Informationen für einen sehr günstigen Preis, es ist jedem Comicfan nur zu empfehlen.)

Auf den Seiten des ICOMs werden wieder jede Menge Leseproben zum aktuellen Jahrbuch (und vergangener Jahrbücher) angeboten, so auch der Anfang von "Der Comic in den Zeiten von Web 2.0" sowie eine Auswahl deutschprachiger Comicblogs, sowohl von Künstlern als auch von Verlagen und Magazinen. Dieses unseres Blog ist ebenso vertreten wie "Neues aus dem Elfenbeintum" von Comicgates Redakteur Daniel Wüllner, unser Experte für Comic-Sekundärliteratur. Beim Durchforsten all dieser Blogs kann sicherlich schon mal ein Wochenende draufgehen, deshalb der Hinweis an einem Samstag Mittag. Viel Spaß beim Wühlen!

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posted by Frauke um 12:32 | Permalink


09.10.2008

Comic-Prominenz zu Gast in Deutschland
(Buchmesse, Comic Action, Signiertouren)

Die Frankfurter Buchmesse steht vor der Tür, und mit ihr der Comicbreich unter dem Titel "Faszination Comic". Die Messe beginnt mit den Fachbesuchertagen vom 15. bis 17.10. und den Besuchertagen am Wochenende, 18./19.10. Nur eine Woche später, vom 23. bis 26.10., steigt in Essen wieder die Messe "Spiel", in deren Rahmen auch in diesem Jahr wieder die "Comic Action" stattfindet. Anlässlich dieser Veranstaltungen haben die Verlage einige prominente Gäste eingeladen, und manche von ihnen werden nicht nur in Frankfurt bzw. Essen auftreten und signieren, sondern auch in anderen Städten.

Natürlich sind auf der Buchmesse wie immer zahlreiche deutsche Comickünstler am Start, außerdem sind auch einige Zeichner aus dem Gastland Türkei vertreten. Eine vollständige Auflistung findet man auf der Buchmessen-Website.

Näher eingehen möchte ich hier auf die ausländischen Gäste, bei denen man nicht oft die Gelegenheit hat, sie zu treffen. Der prominenteste Gast dieses Herbstes ist sicherlich Lewis Trondheim, der geniale französische BD-Erneuerer (Herr Hase, Donjon und vieles vieles mehr). Auf Einladung von Reprodukt geht er auf eine Signiertour mit folgenden Stationen:
13.10. - Frankfurt am Main, Terminal Entertainment
14.10. - Nürnberg, Ultra Comix
15.10. - Basel, Comix Shop
16.10. - Freiburg, X für U
17.-19.10. - Frankfurter Buchmesse
Auf der Buchmesse finden neben mehreren Signierstunden auch zwei Podiumsgespräche mit Trondheim statt.

Der Carlsen Verlag bringt den amerikanischen Zeichner und Autor Jason Lutes nach Deutschland, den man vor allem durch seine Reihe Berlin kennt. Der zweite Band dieser Erzählung aus dem Berlin der Weimarer Republik erscheint in diesen Tagen bei Carlsen. Neben Auftritten und Signierstunden auf der Buchmesse vom 16.-19.10. kommt Lutes naheliegenderweise auch nach Berlin. Dort findet am 21.10. im Kulturkaufhaus Dussmann ein öffentliches interview mit Denis Scheck statt.

Weitere internationale Gäste auf der Buchmesse: Der vielfach ausgezeichnete spanische Künstler Miguelanxo Prado, Pierre Seron, Vater der Minimenschen, und Romano Molenaar, der die neuen Bände des Klassikers Storm zeichnet.

Ein Schwerpunkt der Faszination Comic trägt den Titel "Springfield ist überall!" Es gibt diverse Aktionen rund um die Simpsons und zwei Stargäste: Bill Morrison, der als Creative Director für die Simpsons Comics verantwortlich ist, sowie David Silverman, seines Zeichens Regisseur des Simpsons-Kinofilms. Der Panini-Verlag begrüßt die beiden nicht nur am 18./19.10 in Frankfurt, sondern auch am 21.10. in Hannover (Comix) und am 23. und 24.10. auf der Comic Action in Essen.

Die Comic Action wird inzwischen fast komplett von Panini beherrscht, da die übrigen Verlage sich weitestgehend von der Messe verabschiedet haben. Panini jedoch fährt ein großes Programm auf und hat zahlreiche namhafte Gäste am Start: Neben den bereits erwähnten Simpsons-Machern kommt Howard Chaykin nach Essen, der mit American Flagg! eine der wichtigsten amerikanische Indie-Serien geschaffen hat und zuletzt wieder viel für Marvel und DC gearbeitet hat. Auch die anderen Panini-Gäste kennt man vor allem durch ihre Arbeiten für Marvel: Der für seine hyperrealistischen Bilder bekannte (und öfter auch verspottete) Greg Horn (Die ultimativen Fantastischen Vier), der Franzose Olivier Coipel (House of M, Thor), und die beiden "deutschen Marvel-Zeichner": Marko Djurdjevic, dessen Bilder man gerade auf zahllosen Marvel-Covern sehen kann sowie Nic Klein, zur Zeit Coverzeichner der Serie New Warriors.

Greg Horn und Howard Chaykin signieren nach der Comic Action noch gemeinsam in verschiedenen Städten. Die Termine für Howard Chaykin:
28.10. - Hannover, Comix
29.10. - Bochum, Mr. C
30.10. - Frankfurt, T3 Terminal Entertainment,
31.10. - Esslingen, Sammlerecke

Termine für Greg Horn:
27.10. - Berlin, Grober Unfug
28.10. - Hannover, Comix
29.10. - Frankfurt, T 3 Terminal Entertainment

Die umfangreichste aller Signiertouren aber macht Disney-Zeichner Don Rosa (Onkel Dagobert - Sein Leben, seine Milliarden), der in knapp zwei Wochen 14 Städte in Deutschland und der Schweiz bereist. Alle Stationen findet man bei der Ehapa Comic Collection.

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posted by Thomas um 22:00 | Permalink


08.10.2008

Das Censor-Ship sticht wieder in See
(Panini-Comics landen auf dem Index - und andere Zensur-Episoden)

In der Indizierungsliste der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) für den Monat September 2008, die kürzlich veröffentlicht wurde, befinden sich zwei Comics aus dem Hause Panini. Zum einen der Manga Hellsing Band 6 - für diese Serie ist es bereits die zweite Indizierung, auch der vierte Band landete auf dem Index. Zum anderen das Paperback Terror, Inc. aus der Reihe Marvel MAX. Unter dem Label MAX veröffentlicht Marvel schon seit einigen Jahren Comics, die sich ausdrücklich an erwachsene Leser richten und meist auch nicht mit Gewalt geizen (am bekanntesten dürften die Punisher-Comics von Garth Ennis sein). Auch Terror, Inc. spart nicht mit explizitem Einsatz von Gewalt: Die Hauptfigur ist ein lebender Leichnam, dessen Körperteile von ständigem Verfall bedroht sind, und der sich deshalb ständig "Ersatzteile" besorgen muss. In der Miniserie von David Lapham wird also kräftig gesplattert, es fliegen diverse Körperteile, -flüssigkeiten und Innereien. Als Film wäre Terror, Inc. mit Sicherheit nur für Erwachsene freigegeben. Bei Comics gibt es kein festes Alterfreigabe-System, und so konnte dieser Marvel-MAX-Band bis vor kurzem ohne weiteres am Bahnhofskiosk ausliegen. Die Indizierung hat dies nun geändert, ein Verkauf an Jugendliche darf nicht mehr stattfinden.

Die beiden Bände stehen nun also auf dem Index jugendgefährdender Medien. Sie sind dadurch nicht verboten, unterliegen aber, wie es bei der BPjM heißt, "bestimmten Abgabe-, Präsentations-, Verbreitungs- und Werbebeschränkungen." Vor allem dürfen diese Medien nicht Kindern und Jugendlichen zugänglich gemacht werden. In der Praxis heißt das: Die Titel liegen in der Regel nicht mehr offen in den Regalen aus, sondern sind nur noch auf Nachfrage "unterm Ladentisch" erhältlich. Außerdem dürfen die Titel auch nicht mehr im Versandhandel angeboten werden, auch nicht an erwachsene Kunden. In Zeiten des Onlinehandels eine erhebliche Einschränkung. Auch darf ein indiziertes Medium nicht mehr in der Öffentlichkeit beworben werden. So tauchen die betroffenen Titel auch auf der Panini-Website inzwischen nicht mehr auf.

Comics sind auf dem Index keine Unbekannten -- laut Wikipedia sind zwei Tarzan-Comics aus dem Jahr 1954 die ersten "jugendgefährdenden Schriften", mit denen der Index quasi eröffnet wurde. In den späten 70er und frühen 80er Jahren waren es dann vor allem Erwachsenen-Comics, die in Reihen wie U-Comix erschienen. In den letzten Jahren gab es nur noch wenige Indizierungen von Comics - die BPjM beschäftigt sich inzwischen weitaus mehr mit Filmen und Videospielen. Die wenigen betroffenen Titel sind vor allem Manga wie Vampire Master, Majin Devil oder auch ein Sailor-Moon-Heft aus dem Jahr 2000. Einen informativen Artikel zum Thema Comiczensur in Deutschland gibt es übrigens bei Xoomic.

Wenn wir schon mal beim Thema sind, lohnt es sich auch, auf einen kuriosen Fall aus den USA hinzuweisen, der sehr schön illustriert, wohin es führen kann, wenn Verlage aus Angst vor Zensur-Eingriffen diese Eingriffe lieber gleich vorauseilend selbst vornehmen. Bei DC Comics läuft zur Zeit bekanntlich eine von Frank Miller geschriebene Batman-Serie mit dem knackigen Titel All-Star Batman and Robin the Boy Wonder. Miller lässt seine Figuren gerne in einer rauhen, dreckigen Sprache sprechen und spart nicht mit Flüchen und Kraftausdrücken. Diese jedoch sind im Hause DC unerwünscht, zumindest bei den regulären Superheldentiteln, die ja offiziell immer auch an Kids gerichtet sind (auch wenn die De-Facto-Zielgruppe längst weit über die Volljährigkeit hinaus ist). Aber anscheinend wollte man Miller auch nicht zwingen, seinen Mund mit Seife auszuwaschen und seine Skripts in sauberer Blümchensprache abzuliefern. Stattdessen arbeitet man mit schwarzen Balken, und so entstehen Dialoge wie dieser:

Hey-- you little ****--
**** me that little **** stole my board!
**** you twice, ****, you let a ****ing little piece of jailbait **** steal your wheels...
...little jailbait ****'s making us look bad... we cut her come on...
...sweet piece in sweet slices... tasty sliced booty the little ****...
And these **** make a devil's fortune of it.

So weit, so gut, so jugendschützend. Leider passierte DC jedoch ein Missgeschick. Denn beim Lettering wurden die unziemlichen Wörter nicht direkt als schwarze Balken eingetragen, sondern erstmal brav ausgeschrieben und erst anschließend mit einem schwarzen Balken übermalt. Als Heft #10 von All-Star Batman dann aus der Druckerei kam, stellte man fest, dass die schwarzen Balken nicht schwarz genug waren -- man konnte relativ mühelos den Text durchschimmern sehen. Das darf nicht sein, sagten die DC-Bosse und ließen die gesamte Auflage nochmal neu drucken. Nur leider war da bereits ein Teil der ungenügend geschwärzten Comics an die Händler ausgeliefert worden. DC musste nun eine Rückrufaktion starten und die Händler auffordern, diese Heft nicht zu verkaufen und zu vernichten. Peinlich, peinlich. Der Spott der Szene ließ nicht lange auf sich warten, ebensowenig wie die unvermeidliche Veröffentlichung der fraglichen Seiten im Internet und der Verkauf der "verbotenen" Exemplare zu besonderen Preisen.

Kurz darauf sickerte dann auch noch durch, dass DC bei dieser Serie nicht nur textlich eingreift, sondern auch das Bildmaterial von Zeichner Jim Lee zensiert. Ein Panel zeigt deutlich, wie Batgirl zwei Schurken mit beherzten Griffen in die Weichteile bekämpft. Im fertigen Comic wurde das deutlich abgemildert, wie man in diesem Vorher-Nachher-Vergleich sehen kann.

Frank Miller selbst reagierte erstaunlich gelassen auf die Affäre. Sinngemäß lautet seine Reaktion "Oh, hoppla, naja, ein Fehler eben. Das kann schon mal passieren. Aber bitte hebt eins der Exemplare für mich auf!" Eine eher überraschende Reaktion, wenn man weiß, wie engagiert Frank Miller immer wieder als Vorkämpfer gegen jegliche Form von Comic-Zensur aufgetreten ist. Auf den Leserbriefseiten der Sin-City-Hefte finden sich ausgiebige Diskussionsbeiträge, in denen Miller sogar Aufschriften wie "Intended for Mature Readers" aufs Schärfste geißelt, außredem stammt von ihm das immer noch regelmäßig verwendete Anti-Zensur-Motiv des CBLDF.

Bei DC hingegen hatte man anscheinend noch nicht genug von peinlichen Selbstzensur-Fällen, also wurde auch gleich noch ein Superman-Heft geschreddert. Das ursprünglich geplante Cover zeigte nämlich Superman bzw. Clark Kent beim gemütlichen Plausch mit dem alten Vater Kent. Und beide trinken - hui! - ein Bier. Nun, jetzt nicht mehr: In der Auflage, die schließlich ausgeliefert wird, steht "Soda Pop" auf den Flaschen.

Und zu (vorerst) guter Letzt wanderte auch noch eine Auflage von Heft #1 der neuen Serie DCU: Decisions ins Recycling. Die Serie beschäftigt sich mit dem Präsidentschaftswahlkampf aus Sicht des DC-Superheldenuniversums. Es könnte also um heikle politische Fragen gehen, doch ein Grund für die Einstampfung wurde bisher nicht bekannt.

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posted by Thomas um 20:33 | Permalink